Rückschau 2022

Literarischer Frühschoppen

Rückschau auf die Frühschoppen 2022






338. Literarischer Frühschoppen

Sonntag, den 29. Mai 2022


Unser Mitglied, die in Lübeck geborene und seit vielen Jahren in Hamburg lebende Autorin Gundula Thors las aus ihrem neuen Kunstkrimi „Munch sehen und sterben“. Der Tod grassiert im Auktionshaus Lette im schicken Hamburger Eppendorf. Wurde hier gemordet? Und was hat es zu bedeuten, dass ein mysteriöses Kunstwerk verschwunden ist? Handelt es sich tatsächlich um eine bislang unentdeckte Version des berühmten „Schreis“ von dem norwegischen Künstler Edvard Munch, ein Gemälde, das viele Millionen wert wäre? Das fragen sich nicht nur die Kunsthistorikerin Syelle Lessing und ihr Lebenspartner Claas Seehaus, sondern auch Kommissar Fritz und seine Kollegen vom LKA. Edvard Munch weilte und malte mehrere Jahre in Lübeck, im Haus des bekannten Kunstsammlers und Augenarztes Dr. Linde (das heutige Lübecker Standesamt in der Ratzeburger Allee). Womöglich hat er den bekannten Lübecker Maler und Fälscher Lothar Malskat kennengelernt. Liegt hier der Schlüssel zu dem Rätsel um eine Version des “Schreis“ in Hamburg?
Der Kriminalroman von Gundula Thors bietet spannende Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Minute, taucht ein in menschliche Abgründe und liefert, wie schon die beiden ersten Krimis der Autorin, Einblicke in den korrupten Kunstbetrieb.


337. Literarischer Frühschoppen

Sonntag, den 24. April 2022


Der Hamburger Publizist und Autor Bernd M. Kraske referierte über das Thema „Heimweh nach der Vergangenheit“ – Eine Elegie von Sehnsucht und Untergang. Joseph Roths „Radetzkymarsch“.
Joseph Roths Roman „Radetzkymarsch“ erschien 1932, also vor 90 Jahren. Der Autor wurde 1894 als Sohn jüdischer Eltern im ostgalizischen Brody geboren, das damals zur Habsburger Doppelmonarchie gehörte und nordöstlich von Lemberg liegt. In Lemberg und Wien studierte er Philosophie und deutsche Literatur, nahm am Ersten Weltkrieg teil, erlebte ihn größtenteils als Berichterstatter einer galizischen Zeitung und setzte nach Kriegsende seine journalistische Tätigkeit in Berlin und Wien fort. Auf Reisen, auch durch Russland und Polen, schrieb er über seine Erlebnisse unzählige Feuilletons. 1933 emigrierte er über Südfrankreich nach Paris, wo er aus materieller Not und der Verzweiflung über die verlorene Heimat immer mehr dem Alkohol verfiel und schließlich in einem Pariser Armenhospital starb.
Seine Romane und Erzählungen gehören zum Besten, was in deutscher Sprache im 20. Jahrhundert geschrieben wurde. Darin entsteht abschließend noch einmal das Bild des Vielvölkerstaates Österreich. Ungarn, aus der Sicht eines unbestechlichen Zeugen, „eines Franzosen aus dem Osten, eines Humanisten, eines Rationalisten mit Religion, eines Katholiken mit jüdischem Gehirn, eines wirklichen Revolutionärs“, wie er sich selbst gern beschrieb.